Kinder- und Jugendschutz im CVJM Reutlingen e.V. – Wir tun was!

Die aktuellen Zahlen der polizeilichen Kriminalstatistik des Jahres 2019 lassen aufhorchen. Die Fallzahlen von sexuellem Missbrauch steigen ebenso kontinuierlich an, wie Straftaten im Zusammenhang mit Kinderpornographie. Ein besorgniserregender Zustand, zumal es eine klassische Täter*innen-Strategie ist, sich einen Verein als Betätigungsfeld zu suchen. 

Der CVJM Reutlingen e. V., der sich als christlicher Verein das Ziel gesetzt hat, junge Menschen in ihrer geistigen, körperlichen und vor allem sozialen Entwicklung zu fördern, möchte ein Zeichen gegen diesen Trend setzen. „Gewalt, und insbesondere sexualisierte Gewalt“, so der Vorstand, „hat bei uns keinen Platz! Aus diesem Grund wollen wir der gesetzlichen Grundlage nachkommen und neue Strukturen in unserem Verein schaffen“.

Rechtsgrundlage

Seit der Einführung des Bundeskinderschutzgesetzes im Jahre 2012 sind laut § 72a SGB VIII alle Vereine, die Kinder- und Jugendarbeit betreiben, dazu angehalten, „Vereinbarungen“ mit den Kreisjugendämtern abzuschließen. So wurde unlängst auch der CVJM Reutlingen e. V. vom städtischen Jugendamt dazu aufgefordert.

Diese Vereinbarungen, deren Ziel der aktive Schutz von anvertrauten Kindern und Jugendlichen ist, beinhalten drei wesentliche Punkte: 

  1. Der Verein muss dafür sorgen, dass er keine Personen beschäftigt, die wegen einer Straftat gegen die sexuelle Selbstbestimmung rechtskräftig verurteilt sind. Hierzu werden alle Mitarbeiter*innen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, in den nächsten Monaten (soweit nicht bereits schon geschehen) ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen müssen.
  2. Der gleiche Personenkreis muss an einer internen Schulung zum Thema „Sexualisierte Gewalt“ teilnehmen. Dies wollen wir noch vor den Sommerferien im Rahmen einer Online-Schulung umsetzen (außer die Corona Verordnung lässt eine Schulung im Alberhaus zu).
  3. Zu guter Letzt verpflichtet sich der Verein, ein internes Präventions- und Schutzkonzept zu verabschieden, in welchem die grundlegenden Aspekte des Kinder- und Jugendschutzes im CVJM Reutlingen e. V. niedergeschrieben sind.

Vereine, die der Aufforderung des Jugendamtes nicht nachkommen, bekommen alle Zuschüsse der freien Jugendhilfe gestrichen.

Was bringt uns das?

Diese Vereinbarung in Verbindung mit dem zu erstellenden Präventions- und Schutzkonzept, sendet vier wesentliche Botschaften aus: 

  • An die Ebene der Eltern: „Bei uns ist Ihr Kind bestmöglich geschützt“ 
  • an die Ebene der Kinder/Jugendlichen: „Bei uns kannst Du offen sprechen“
  • an die Ebene der Mitarbeiter*innen „Wir unterstützen Dich und geben Dir Handlungskompetenz“ und 
  • an die Adresse potentieller Täter*innen: „Bei uns hast Du keine Chance, denn wir schauen hin!“. 

Genau diese Botschaften sind es, die unseren CVJM für potentielle Täter*innen uninteressant machen sollen. Wer weiß, dass in dem betreffenden Verein eine Aufmerksamkeitskultur für sexualisierte Gewalt vorhanden ist, sucht sich lieber ein anderes Betätigungsfeld.

Wie wollen wir das alles umsetzen?

Geplant ist die Umsetzung in vier Schritten, welche bis zum Herbst 2020 abgeschlossen sein sollen. Natürlich können wir das nicht alleine stemmen und brauchen hierzu fachliche Expertise, die wir zum Glück in den eigenen Reihen haben. Mit unserem Vereinsmitglied Marc Louia, haben wir einen ausgebildeten Pädagogen für Gewaltprävention an der Hand, der in diesen Dingen sehr erfahren ist. Marc, der mit „Projekt N.E.I.N.“ (www.nein-pfullingen.de) eine eigene Schule für Gewaltprävention leitet, ist zudem als Referent für „Wirbelwind e.V. Reutlingen“ (unsere regionale Fachberatungsstelle für sexuelle Gewalt) tätig und führt die erforderlichen Schulungen schon seit langem durch. Sowohl mit dem VfL Pfullingen als auch dem TSV Dettingen/Erms hat er all dies bereits erfolgreich umgesetzt.

Geplant ist folgender Ablauf:

Schritt 1: Info-Veranstaltung für die erweiterte Vorstandschaft. Hier geht es darum zu erfahren, was ein Präventions- und Schutzkonzept genau ist, aus welchen Bausteinen es besteht und was diese Bausteine beinhalten.

Schritt 2: Schulungen zum Thema „Sexualisierte Gewalt“ für alle Personen unseres Vereins, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten. Hierüber erhalten alle Teilnehmer*innen eine Teilnahmebescheinigung.

Schritt 3: Erstellen des Konzeptes mit einer Arbeitsgruppe unter der Leitung von Marc

Schritt 4: Parallel zu den anderen Maßnahmen erhalten alle betreffenden Personen eine schriftliche Aufforderung des Vereins, ein erweitertes Führungszeugnis vorzulegen (soweit nicht bereits schon geschehen). „Gerade dieser Schritt“, so der Vorstand, „hat überhaupt nichts mit Misstrauen gegen unsere Mitarbeiter*innen zu tun. Das zu betonen ist uns wichtig. Wir müssen der gesetzlichen Forderung nachkommen und dies geht leider nur auf diesem Wege.“

Fazit:

Auch wenn dies alles ein wenig Arbeit bedeutet, ist es dennoch ein unverzichtbarer Schritt in die richtige Richtung. Gerade in unserem Verein muss Kinder- und Jugendschutz eine tragende Rolle spielen. Packen wir es an!

Fragen zu den Inhalten der Schulung und/oder dem Präventions- und Schutzkonzept könnt Ihr gerne direkt an Marc Louia stellen. Ihr erreicht ihn unter der Mailadresse info@nein-pfullingen.de

Der geschäftsführende Vorstand – Matthias Nicolaus

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