Nigeria – kein Ende der Gewalt in Nigeria? Was tut die Kirche?

Dr. Yakubu Joseph, Nigeria, Koordinator der kirchlichen Hilfs- und Versöhnungsprogramme im Auftrag von „Mission 21 – Evangelisches Missionswerk in Basel“ berichtete in der Auferstehungskirche am 12.Oktober 2019. Übersetzt und moderiert wurde das Gespräch vom Pfr.i.R. Jürgen Quack, der einige Jahre in Nigeria arbeitete.

Dr. Yakubu Joseph dankt uns Deutschen, weil wir, die wir ein seit 75 Jahren friedliches, sicheres und wohlhabendes Land haben, die Menschen in armen und konfliktreichen Ländern nicht vergessen. Es gibt vor Ort eine Zusammenarbeit mit dem YMCA/CVJM.

Er berichtet aus Nordnigeria: Die Lage ist weiterhin angespannt. Die Aufgaben sind nicht weniger und kleiner geworden. Die Aufarbeitung der Geschehnisse und Erlebnisse Einzelner belastet. Sicherheit fehlt. Nicht nur Boko Haram Gruppen bedrohen Dörfer und Menschen, auch Nomaden und kriminelle Banden. Manche Dorfbewohner ziehen es aus Angst vor, in der Nacht im Wald zu schlafen. Der Staat ist nicht in der Lage, Schutz zu bieten. Vor allem junge Erwachsene fordern Selbstschutz und besorgen sich Waffen. Die Frage der Gewaltfreiheit wirft Gräben in der Kirche auf. Durch den Terror ist viel Misstrauen in der Gesellschaft und zwischen den Religionen gewachsen. Die „Kirche der Geschwister“, EYN, leistet Versöhnungsarbeit.      

Ein schwieriges Kapitel sind die Boko Haram Leute. Sie können nicht zurück in ihre Dörfer, weil sie bekannt sind und die sie nicht wollen. So bleibt vielen nichts anderes als weiterhin kriminell zu bleiben. 

Eine große Herausforderung ist die Traumaarbeit, nicht nur für direkt Betroffene, sondern auch für die, die mit ihnen leben und die die Geschichten immer wieder hören. Gemeindeleiter und Pfarrer brauchen Ausbildung für den Umgang mit Traumatisierten. Zu sagen: „Gott hilft dir, lass den Schatten los.“, reicht und hilft nicht. Wichtig sind Frauen, die Gesprächsgruppen leiten. Denn die Mehrzahl der Betroffenen sind Frauen.  

Dennoch: Das Erstaunliche, die Anzahl der Christen wächst in der Bedrohung. Neue Kirchen werden gebaut. Die Kirche nennt er eine verwundete Heilerin. Sie hilft auch über den Grenzen von Tschad, Niger und Kamerun hinweg den dorthin aus Nigeria in Lager Geflüchteten. 

Den Frieden bewahren zwischen den Religionen ist eine große Aufgabe der Kirchen. Nigeria ist das einzige Land, in dem je zur Hälfte Muslime und Christen leben.

Bernd Küster

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