Das gerade Brot – Rebellion gegen Gesellschaftskonformität

aka. eine Fahrt ins Shoppingparadies Tirol -ein Kajak-Krimi

Schon am Morgen des verhängnisvollen Dienstags hatte ich dieses gewisse Drücken in der Magengegend. Als meine Frau Hildegard mir meinen Kaffee ans Bett brachte war noch alles gut. Ich öffnete die Wohnwagentür und begrüßte den Tag mit meinem gewohnten Ritual: ich polierte die rote Nase meines Lieblingsgartenzwergs. Untypischerweise konnte ich keinen einzigen Besucher meiner beiden Vogeltränken sehen. Deutet fehlendes Vogelgezwitscher nicht auf Erdbeben hin? Noch bevor ich diesem Gedanken tatsächlich nachgehen konnte, bebte die Erde unter vier mächtigen Transitreifen mit Anhänger und unbekanntem Zweitfahrzeug. Ich war verwundert. Klar, ich lebe am wichtigsten Verkehrsknotenpunkt der Alpennordseite.

Unterperfuss ist die Drehscheibe des internationalen Tourismus und Güterverkehrs. Die Konsumpilger reisen nahezu sekündlich per Flugzeug, Zug, Bus, Schlepper oder gar PKW, auf unseren perfekten Autobahnen (ohne jeglichen Baustellen) an. Meine böse Vorahnung schien sich zu bestätigen. Gleich machte ich mich auf, die Reifen des Wohnmobils meines furchtbar nervigen Nachbars zu klauen, um mich für eine schnelle Flucht zu wappnen. Ich hatte vor vielen Jahren eine ähnliche Situation erlebt, ich bin also erfahren im Umgang mit solchem Gesindel. Doch was in den nächsten Tagen geschehen sollte, übertraf alle meine Befürchtungen. Anstatt sich wie gesittete Camper mit einem All-inclusive Wohnmobil, einem Liegestuhl und einem Glas Wein zufrieden zu geben, packten diese 13 Gestalten ein schwarzes Ungetüm aus. Die Farbe ließ mich auf satanistische Rituale schließen, hierfür würde auch die Tatsache sprechen, dass Weihnachtslieder und Lebkuchen im August zelebriert wurden. Meine andere Theorie war, dass sie das, was ich inzwischen als Zelt identifizieren konnte, einem armen Mongolenvolk aus dem tiefsten Altai gestohlen haben. Ich beschloss mich auf letztere Theorie zu konzentrieren, da auch ein ganz bestimmter Geruch zu mir herüber wehte: feucht, modrig, mit einem leichten Hauch von Bier. Das Richtmikrofon, versteckt in meinem Solapanel, gab mir Aufschluss über ihre Gespräche. Und was ich dann hörte, was mich vielmehr empörte, es widerzugeben fehlt mir fast die Kraft, sie sagten „Manchmal, aber nur manchmal, hat die Imster Schlucht ein wenig Wasser zu viel.“

Im Laufe des Abends wurde ich Zeuge eines seltenen Naturschauspiels: dem Schlüpfen eines Machnobabys. Doch nicht nur die Boote vermehrten sich. In den nächsten Tagen stieg die Zahl der Individuen rund um das schwarze Zelt herum exponentiell an. Auch die Dose mit dem Frühstücksnährschlamm schien lebendig und sich ständig weiterzuvermehren. Mein heimlich am Bootshänger angebrachter Peilsender verriet mir, dass sie im Laufe der Woche noch Ziller, Ruetzbach, Gschnitzbach, Sill und zum Abschluss noch einmal den Inn paddelten.
Hat doch meine Wahlheimat so großzügige Sanitärbereiche, putzt sich dieser Rüpel, dieser dem akademischen Proletariat angehörender Rotzlöffel doch im Spülraum die Zähne! Doch das ist noch nicht alles! Das Zigeunervölkchen hatte auch die Angewohnheit pünktlich um Mitternacht verschiedene Puddingvariationen zu kochen. Diese abartige Schandtat erschloss sich mir ebensowenig wie die nicht enden wollenden Diskussionen um das sogenannte „Stiefelbier“.
„Eh, was macht mein Bericht?“ – Wir müssen noch eine Runde Fußball spielen. Es ist schließlich eine spannende Partie. Zum Zeitpunkt des Abbruch stand es 1:1. Schade. Jetzt haben wir den Faden verloren. Mist. Zurück zur Story:
Alles gipfelte darin, dass diese Zigeunerbande nicht in der Branger Alm speiste, sondern in den Ort ging, wo sie während des Restaurantbesuchs eine Seele an Orpheus verloren. Statt den vom Wetter eingeläuteten Herbstbeginn gebührend zu feiern musste ich Baywatch im Stubay-Wasserparadies nachstellen. Während sie am Abend das Lied von der Donau sangen, entflammte eine kleine Flamme der Hoffnung, das Niveau-Feuerzeug, doch ich war nur in Sorge, dass sie den Campingplatz abfackeln würden und so rannte ich nach Haus, das musste ich meiner Gattin erzähl’n, ich ließ nichts aus, es sprudelte aus mir raus, die Ungewissheit fing an mich zu quäl’n, das war mir noch nie passiert, ich war traumatisiert und etwas verwirrt war ich auch. Da lächelte sie und hob ihren Finger und hielt ihn mir vors Gesicht. Als ich nach Atem rang und ihre Stimme erklang, umwehte sie ein eisiger Hauch, sie sagte „Manchmal, aber nur manchmal, sind Nörgler wie du besser dran, im Wohnwagen zu bleiben, ihre Zeitung zu lesen und sich um ihren eigenen Dreck zu kümmern.“

… Fortsetzung folgt im nächsten Sommer garantiert!

Lasse

Anmerkung der Ghostwriter: Parallelen zu uns bekannten Wohnwäglern sind nicht beabsichtigt!

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