Afrikatag bei ems und der Basler Mission BMDZ

Thema: Der Marschallplan mit Afrika oder für Afrika?

Unter diesem Motto fand am 17.3.2018 im Haus Vogelsang im Stuttgarter Westen wieder ein Afrikatag statt. Veranstalter waren der EJW Weltdienst und die Basler Mission Deutscher Zweig (BMDZ). Pfarrer Stahl von der BMDZ begrüßte die besonderen Gäste Dr. Joy Alemazung von Engagement Global (Stuttgart) und Frau Dr. Schneider vom DIFÄM (Tübingen)

Er fragte nach der allgemeinen Begrüßung womit wohl jeder gekommen sei? Natürlich mit einem Verkehrsfahrzeug, aber hier besonders auf den eigenen Füßen. Auf diesen stehen wir, halten Gleichgewicht und können aufrecht stehen. Mit den Füßen kann man vieles machen: breit oder eng stehen, man kann seinen Mann stehen, Übertreten, Vertreten, bei Seite treten, zum Sprint anlaufen, in den Dreck treten, Drauftreten, …..und deshalb muss man Füße auch immer wieder waschen. Jesus hat seinen Jüngern die Füße gewaschen. Was für ein Geist steht hinter dieser Aktion? Dieser Geist der Liebe sollte uns beflügeln, damit ein Marshallplan mit Afrika gelingen kann.

Neben Dr. Joy Alemazung, Kamerun, Projektleiter von Engagemant Gobal in Stuttgart und Frau Dr. med Gisela Schneider Leiterin des Deutschen Institutes für ärztliche Mission e.V. Difäm Tübingen und Vorsitzende der württembergischen Arbeitsgemeinschaft für Weltmission WAW, waren Stefan Hoffmann und Valerian Grupp Landesreferenten vom EJW Weltdienst im Evangelischen Jugendwerk in Württemberg in Stuttgart sowie Dr. Augustina Mofor  Kamerun PCC Stuttgart und Mathew Osel Ghana PCG Stuttgart zu Gast.

Im Eingangsvortrag von Dr. Joy Alemazung ging es um den Marschallplan mit Afrika und danach um eine Rückmeldung zum Thema aus kirchlicher Sicht vor Frau Dr. Gisela Schneider. Dieser Plan wurde von Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit Dr. Gerd  Müller am 24. November 2016 vorgestellt und basiert auf drei Säulen.

1.) Förderung von Wirtschaft, Handel und Beschäftigung 2.) Förderung von Frieden, Sicherheit und Stabilität  3.) Förderung von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Durchsetzung von Menschenrechten als Ermutigung für die deutsche Privatwirtschaft für Investitionen in Afrika.

Auch verstärkte Kooperation staatlicherseits muss wirken können. Auslöser dieser Initiative sind die weltweiten Flüchtlingszahlen. Ob dies dazu dient, die Krise in Afrika mit einem Marshallplan zu lösen, gilt noch als sehr fraglich.

Was hat der Plan mit mir zu tun? Was nutzt er mir und uns in Afrika

Dr. Joy Alemazung ging zuerst auf den Begriff Marshallplan ein und befand, dass er eigentlich nicht passt, weil seine Entstehung 1947 einen anderen Focus hatte. Denn was hat der Plan mit mir persönlich zu tun? Was nützt er mir und uns in Afrika? Wenn man die Entwicklungen in Afrika bedenkt, dass sich die Bevölkerung bis zum Jahr 2050 auf 20% der Weltbevölkerung verdoppelt haben wird, dass die Arbeitslosigkeit bei 50% liegt, dass jedes Jahr 20 Millionen Jugendliche nachwachsen. Bereits der Club of Rome 1970 hat in seiner damaligen Einschätzung von den Grenzen des Wachstums geredet. Auch das gilt es zu beachten. Mit dem Marshallplan sollen Investoren für Afrika gefunden werden. Aber das kann nach Dr. Alemazung nur gelingen, wenn diese in einer Art Partnerschaft auf Augenhöhegeschehe und die jahrzehntelange Geber-Nehmer-Mentalität abgelöst wird. Wobei der Begriff Partnerschaft nicht richtig passt. Denn dazu müsste es zu einem Geben und Nehmen kommen, also fördern und fordern vor allem was die Gelder betrifft.

Der Inhalt einer Agenda 2063 der Afrikanischen Union (AU) beschreibt damit einen eigenen Weg Afrikas zur Arbeitsplatzerzeugung in neuen Partnerschaften zwischen Deutschland, der EU und Afrika. Diese neue Partnerschaft steht unter den drei eingangs genannten Forderungen.

In einem 10 Thesenpapier sind die Forderungen formuliert. Z.B.:

  • Ein neuer Zukunftsvertrag Europas mit Afrika,
  • Afrika braucht afrikanische Lösungen,
  • Chancen für die Jugend,
  • Investitionen für unternehmerische Entfaltung durch Staat und privater Wirtschaft
  • Wertschöpfung statt Ausbeutung, Neue Wirtschaftspolitik mittels Diversifizierung
  • Politische Rahmenbedingungen fördern und fordern, effiziente Verwaltung und Nachhaltigkeit. Frei von Korruption.
  • Reformpartnerschaften statt Gießkannenprinzip, mit der Agenda 2063 Bekenntnis zu konkreten Reformen, gerechte und faire globale Ordnungsrahmen,
  • Gerechte, faire und globale Ordnungsrahmen. Kampf gegen illegale Finanzströme
  • Staatliche Entwicklungsgelder sollen stärker Antreiber und Förderer privater Investitionen sein. Darüber hinaus müssen afrikanische Staaten mehr Eigenmittel  aus ihren Etats bereitstellen, z.B über Steueraufkommen. Denn, wer Geld gibt, der kann auch seine Meinung dazu äußern und Einfluss nehmen.
  • Kein Mensch darf zurückbleiben. Der Plan berücksichtigt die Grundbedürfnisse der Menschen wie Ernährungssicherung, Wasser, Energie, Infrastruktur, Digitalisierung, Gesundheitsversorgung, Zugang zu Bildung auch für Frauen und Mädchen, sowie das Problem der Verstädterung und die Potentiale der ländlichen Entwicklung und deren unterschiedliche Entwicklung

Die Kritik wurde deutlich an dem Begriff Partnerschaft, der einen irreführenden Namen hat. Besonders wurde deutlich, dass man immer im Blick haben sollte, dass es nicht übersondern mitAfrika heißen muss. Daher passt der Begriff Marshallplan auch nicht. Die Dimension des Paradigmenwechsels weg von der Gebermentalität und hin zu Eigenbeteiligung zu Förderung mit staatlicher etatmäßiger Mitbeteiligung. Projekte müssen mehr über das Budget finanziert werden.

Kennen wir überhaupt den Kontinent Afrika?

Frau Dr. Gisela Schneider hat 20 Jahre in Afrika gearbeitet und gelebt. Sie richtete den Blick auf Afrika aus kirchlicher Sicht. Wie gut kennen wir den afrikanischen Kontinent? Und wer soll wen mit dem Marshallplan retten? Ist uns bewusst, dass Afrika in 2030 aus 55 Ländern besteht und 2 Mrd. Menschen ausmachen wird. Und dass 50% der Bevölkerung unter 25 Jahre sein wird. Wo wird da Gerechtigkeit gelebt zwischen Europa und Afrika? Was für eine Kultur wird gelebt? Welche Wertschätzung erfahren die Menschen? Welche Gemeinschaften erlebt man? Wie sieht es mit den Bodenschätzen aus, die z.B. China massiv ausbeutet und dafür Infrastruktur aber nur mit chinesischen Arbeitern liefert.

Wie sieht das Religiöse aus? Christen, Muslime, Animismus, alte afrikanische Religionen, sie alle tragen zum täglichen Lebenserhalt bei. Afrika ist ein leidender Kontinent mit 30% der Krankheitslasten bei nur 3% Fachkräften. Oft ist eine fehlende oder mangelhafte Regierungsbildung oder Vetternwirtschaft zu beobachten. Warum also Marshallplan? Damit wir uns abschotten? Grenzen schließen?

Ohne dass die Menschen in Afrika ihren Teller voll bekommen, wird es nicht gehen.

Dazu könnten die vorhergenannten 10 Thesen einen Beitrag leisten. Mit unserer Handelspolitik, gefrorener Hünchenteile, zerstören wir nur die regionalen Märkte (siehe: Film von Brot: Der Hühnerwahnsinn) Außerdem kann die Tiefkühlkette hier in Afrika gar nicht aufrechterhalten werden, wie das etwa in Europa möglich wäre, aber auch da nicht immer funktioniert.

Und was die Rohstoffe angeht, so wird ja eigentlich nur über die Verarbeitungsschritte etwas zuverdient. Deshalb muss auch das gedreht werden, damit Arbeitsplätze zur Verarbeitung vor Ort entstehen können. Mithilfe globaler Rahmenbedingungen wie z.B.: mit den 17 Zielen aus „Der globale Rahmen“, können starke Strukturen geschaffen werden für ein längeres und gesünderes Leben. Wichtige Ziele sind die Würde des Menschen, sein Zugang zu Nahrung, Bildung, Gesundheit und Arbeit. D.h. Fairer Handel in den Handelsverträgen lokal und global. Der Marshallplan wurde in Berlin geschrieben und nicht im kirchlichen Umfeld, deshalb gibt es keinen religiösen Verweis.

In der Diskussion wurde der Begriff Partnerschaft neu erklärt, als einer wie in einer Ehe. Außerdem wurden die deutschen Waffenlieferungen in viele Regionen der Welt kritisiert. Klar ist auch, dass die EU das, was sie tut, nicht aus reiner Nächstenliebe tut, sondern um die möglichen Flüchtlinge in Grenzen zu halten und eigenen Profite zu generieren. (Moderne Kolonialisierung) Es hängt vielen Afrikanischen Staaten noch ihr koloniales Erbe an. Manche frankophilen Staaten sind im Demokratieverständnis weiter hintendran, als englischsprachige. Manche Dinge erscheinen hoffnungsfroh, wie z.B.: die seit 2001 in der WTO abgeschafften Patentrechte für AIDS Medikamente. Leider hat die Kirche bei ihrer Mission in Afrika keine Strukturen des Zusammenlebens geschaffen, die für die Zukunft Vorbild sein könnten. Wir müssen uns also fragen, ob das, was wir geben, gut ankommt und vor allem auch an die richtigen Stellen.

Nach einem sehr guten afrikanischen vegetarischen Mittagessen standen 5 Workshops zur Auswahl: Kamerun, Nigeria, Südsudan, Sudan und Westafrika (Liberia, Guinea, Sierra Leone).

In verschiedenen Länderworkshops wurden die Einsatztätigkeiten der verschiedenen Partnerorganisationen aufgezeigt und auch auf die guten wie die schwierigeren Erfahrungen eingegangen. Wie vor Ort eine Partnerschaft gelebt wird und wovon sie abhängt. Das Wichtigste dabei ist noch immer die menschliche Begegnung vor Ort. Wie z.B. im ejw mit dem SDG 12, wo in diesem Jahr eine neue Begegnung von Deutschen in Nigeria geplant ist, aber an der Sicherheit wohl scheitern wird, weil die Botschaft dies so einschätzt. Trotzdem wird das ejw wieder Gäste aus Nigeria zum Jugendtag im September einladen.

Zu einer kleinen Schlussrunde kamen dann noch einmal alle zusammen. Voll mit Eindrucken kehrten wir nach Hause zurück.

Günther Digel  

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