Pfingstfreizeit 2017

Bericht

Konsumhinweis: (für echtes Pfingst-Feeling)

  • Lassen sie sich ein paar Bierstängel bereitlegen
  • Optional: lassen sie eine halbierte Knoblauchzehe ihr Aroma entfalten
  • Schalten sie ihr Mobiltelefon ab
  • Suchen sie ihre drei Kühlschränke nach ihrem Bier ab
  • Versetzen sie ihren Körper in einen tiefenentspannten Zustand und genießen sie:

Seit Jahren bin ich nun Mitglied des CVJM Reutlingen und habe schon so einige Pfingstfreizeiten der Kanugruppe miterlebt. Auch dieses Jahr ist wieder viel passiert:

Am 03.06. wurde ich zu Unzeiten aus meinen süßen Träumen geweckt und gen Südfrankreich gescheucht. Mit viel Gepäck und hochmotivierter Jugend erreichte ich nach 13 Stunden unser ausgewähltes Ziel, den Campingplatz in Breil-sur-Roya. Zwar etwas eingequetscht zwischen Fluss und Dorf, erwies er sich doch als idealer Standort für die Aktivitäten der sehr gemischten Gruppe. Aufgrund des Platzmangels musste ich leider vor den Toren des Campingplatzes nächtigen, stand aber trotzdem für Paddel- Kletter-, Wander- und Einkaufstouren bereit. Nach zwei Jahren exzellenten Campcookings mussten die Teilnehmer dieses Jahr wieder selbst für ihre Verpflegung sorgen, was zu einer breiten Vielfalt an Ergebnissen, sowie einer Erweiterung des Duftspektrums des Platzes führte. Zwar fielen die gemeinsamen Abende ums Jurtenfeuer fast komplett aus (hat wohl unser Feuermeister gefehlt), dafür speiste die Gruppe oft an der großen Tafel oder ging gemeinsam Essen.

Die ersten Tage an der Roya konnte ich mich gemütlich akklimatisieren, da die Anfahrtswege sehr kurz waren und die Paddler am Campingplatz ausstiegen. Sie konnten von der Roya mit ihren mal verblockteren, mal wuchtigeren und klammigen, sowie einfacheren Abschnitten nicht genug bekommen, sodass ich sie oft mehrmals am Tag an den Einstieg befördern musste. Die eine  oder andere Stelle forderte bei kleinen Unachtsamkeiten ihre Opfer, wie ich abends den angeregten Diskussionen der Boote entnehmen konnte. Die einen hatten tiefe Risse im Rumpf vorzuweisen, die anderen bloß zeitweise den Kontakt zu ihren Fahrern verloren.

Auch der kleine Uzel (Auto der unabhängigen Mädels) wusste zu berichten: vom hübschen Bergdorf Saorge, Wanderungen, einem Ausflug nach Nizza und scheinbar auch Klettertouren.

Als ich mich nach vier Nächten an mein lauschiges Parkplätzchen gewöhnt hatte, stopfte die vom nächtlichen Kübbspiel noch recht müde Gruppe mich bis unters Dach voll und ließ sich nach Entreveaux kutschieren.

Var oder nicht wahr? Das ist die Frage

Mir gehen diese Wortspiele seit Jahren auf die Kupplung. Dass die Ronja in der Roya gebadet hat, ist  mir auch egal, doch muss ich zugeben, dass der Var mit seinen roten Felsen für viele das Wahre var. Mein Gefühl, dass die diesjährige Gruppe etwas kindisch var, hat sich durch den Kauf einer Wasserspritzpistole und diverse Schlammschlachten am Varausstieg nur be-var-heitet. Ich bin wohl doch einfach zu alt.

Nachdem alle, auch da Luis, die Daluis Schlucht auf dem Var gepaddelt sind, spürte ich schon die erwachenden Kampfgeister vor dem Ausspielen des Wanderpokals. Während ich bei 35°C in der Sonne schmoren musste, vergnügte sich der Rest der Gruppe im kühlen Nass des campingplatzeigenen Sees bei amüsantem Kräftemessen auf Surfboards. Zwei weitere, packende Spiele folgten, aus denen Marian knapp als Sieger hervorging. Nach dem Pokalausspielen versammelte sich die Gruppe gemäß der Tradition um eine Pancakeparty zu veranstalten. In Anbetracht des folgenden Tages wusste sich die Gruppe zu beherrschen, weshalb ich nichts von den Köstlichkeiten abbekam.

Auf einen gemäßigten Abend folgte ein Aufstehen zu weniger gemäßigter Stunde, schließlich musste ich die Gruppe den weiten Weg zum Grand Canyon du Verdon geleiten und endlich am Ausstieg angekommen, acht Stunden auf sie warten. Auf dem Rückweg justierte ich meine Sensoren um besser den Gesprächen meiner erschöpften aber glücklichen Passagiere lauschen zu können. Ihnen entnahm ich, dass entgegen meiner Befürchtungen, während der ungewöhnlich langen Zeit nichts Tragisches vorgefallen war. Etwas traurig war ich an diesem jedoch Abend schon und wünschte mir fast, ein Mensch zu sein, um auch als Kajakfahrer aus einer völlig anderen Perspektive die Natur an solchen sonst so unzugänglichen Orten hautnah erleben zu können. Angeregt von den Schilderungen begann ich zu träumen: von 400 Meter hohen Felswänden, türkisblauem Wasser, faszinierenden Felsformationen, absoluter Ruhe, Slacklinern die über den Abgründen der Schlucht balancierten, 30 Kilometern purer Abgeschiedenheit und unberührter Natur, bis mich am Camplingplatz die Realität wieder einholte und ich auf einmal Bedenken hatte, ob ich eine solch langwierige Umtrageaktion in der Mittagshitze durchstehen würde. Und ein bisschen Angst macht mir das schon, wenn auf einmal der ganze Fluss in einem dunklen Loch verschwindet. Auf der abendlichen Geburtstagsfeier zeigte sich, dass die Strapazen des Tages an kaum einem spurlos vorübergegangen waren, was zu teilweise unerwünschten Nebeneffekten am Seeufer führte.

Während der zweiten Woche leerte sich der Platz, es verließen uns einige Gefährten, wie zum Beispiel mein treuer Freund, der feuerrote Multivan. Die letzen Tage der Freizeit gestalteten sich für mich etwas ermüdend, da ich Tag für Tag die Fahrt Richtung Vesubie zurücklegen musste, denn entweder wollte die Gruppe Richtung Nizza ans Meer, den Vesubie paddeln, oder eine Canyoningtour machen, was mir allerdings die einmalige Gelegenheit gab, meine roten Ferrari-Gene auszuleben und den Col de Turini hoch zu jagen. Das war eine Fahrt! Da hab ich mich wieder richtig jung gefühlt und ein bisschen stolz war ich auch, dass ich meine Passagiere heil nach oben brachte, im Gegensatz zu anderen Artgenossen, deren Gerippe im Canyon verwesten.

Einige schmerzhafte „Zufälle“ als die Fahrer nicht genug Acht auf meine Seitenspiegel gaben, erweckten den Eindruck, dass sich ihre Einstellung zu mir verändert hätte. Mir scheint, als wolle man mich loswerden, da ich ja schon zum alten Eisen gehöre, aber ich bin echt noch top fit und viel wichtiger: ich möchte diese Gruppe, die mir so sehr an den Motor gewachsen ist, einfach nicht verlassen!

Nach 14 Tagen kam wieder eine sehr anstrengende Aufgabe auf mich zu – die Heimfahrt. Auf  mehr als 800 Kilometern wurde mir schon so einiges abverlangt und ich erreichte doch tatsächlich die Grenze meiner körperlichen Belastbarkeit. Wenn man sich viel bewegt, sollte man eben auch viel trinken.

Zusätzlich machten sich die zwei durchgeknallten Mitfahrer auf der Rückbank auch noch Gedanken, wie die Freizeit für mich wohl so war und wie ich mich fühlen würde. Die haben doch keine Ahnung. Als ob mich die dünnen Zweige am Campingplatz unter der Verkleidung gekitzelt hätten…

Worin sie aber Recht haben ist, dass die Freizeit wunderbar organisiert war und gut auf die Bedürfnisse aller Teilnehmer (Auch meine und die der Nichtpaddler) eingegangen wurde. Vielen Dank an Christine und Andreas Krämer und Julian Munz!  Ebenso möchte ich mich bei allen Fahrern, Umstellern und natürlich Teilnehmern bedanken.

Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, Teil dieser einzigartigen Gruppe zu sein.

Und lasst euch von Iska und Timon ja nichts Falsches über meine Person erzählen. Das hier ist mein Text.

Euer Transit

PS: Noch eine kleine Anmerkung meinerseits, zur vielgelobten, französischen Küche: Diesel schmeckt überall gleich, da helfen auch keine Herbes de Provence.

Anmerkung: Dies ist die unzensierte Meinung des Transits und soll keinen Einfluss auf vereinsinterne Entscheidungen nehmen.

SONY DSC

1 Kommentar

  1. Hallo lieber Transit,
    auf dem Foto ist Dein alter Bruder abgebildet. Du bist aber viel hübscher, mit Deiner roten Schürze und griffigem Leder. Dem es leider nicht so gut ging wie Dir und mir. Lassen wir die alten Geschichten… Denken wir an unsere gemeinsamen Stunden. Einsam am Flussufer in Griechenland, auf Korsika, in der Schweiz und auf etlichen romantischen Ausfahrten. Ich werde die Ausfahrten mit Dir und der Gruppe nie vergessen.

    Liebe Grüße
    Dein feuerroter Multivan
    (PS: super Bericht)

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